Grafik

Typografie Lexikon

K – Kupferstich

| A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N |

| O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |

Kupferstich

Mit dem Begriff Kupferstich werden zweierlei Dinge bezeichnet. Zum Einen das Druckverfahren, welches von Künstlern genutzt wird und zum Anderen das auf Papier gedruckte Exemplar.
Der Kupferstich als Druckverfahren stellt den Ursprung der Tiefdruckverfahren dar. Dabei wird mit einem Grabstichel eine Zeichnung in eine Kupferplatte eingegraben. Mitunter werden auch Zinkplatten verwendet. Der Grabstichel besteht aus sehr hartem Stahl, hat einen quadratischen, dreieckigen oder rautenartigen Querschnitt. Vorn ist der Grabstichel schräg angeschliffen und hat dadurch an der unteren Kante eine scharfe Spitze. Durch einen knaufartigen Holzgriff, am anderen Ende, liegt der Stichel fest in der Hand. Damit läßt sich die gewünschte Zeichnung gut aus der glatt polierten Kupferplatte herrausgraben.

Statt des Grabstichels kann auch die Kaltnadeltechnik angewendet werden. Dabei werden mit der sogenannten kalten Nadel Furchen in die glatt polierte Oberfläche der Kupferplatte eingegraben.

Der eigentliche Druckvorgang beim Kupferstich erfolgt manuell und basiert auf dem Prinzip des Tiefdrucks. Zuerst wird die fertige Druckplatte vollständig mit Farbe eingerieben. Dazu verwendet man einen Tampon, eine Art Stoffbündel, mit dem die Druckfarbe aufgenommen und durch kräftige kreisende Bewegungen auf der Druckplatte verrieben und so in die eingravierten Stellen gedrückt wird. Danach wischt man die Platte vorsichtig mit einem Lappen und mit dem Handballen ab. Dies geschieht aber so, dass die Farbe dabei nicht aus den Vertiefungen geholt wird. Läßt man einen leichten Farbton auf den glatten Flächen, so entsteht ein Handton, der zusätzlich zu der eingravierten Zeichnung leichte flächenhafte Hell-Dunkel-Werte erzeugt. Diese bilden eine gut Ergänzung zu der aus Linien und Strukturen bestehenden Zeichnung. Ist das Einfärben der Druckplatte abgeschlossen, legt man leicht angefeuchtetes, stark saugendes Papier auf die Kupferplatte. Darauf kommt eine Filzplatte und auf diese ein gewachster Karton. Das Ganze befindet sich in einer Presse, die durch den ausgeübten Druck die Druckfarbe auf das Papier überträgt.
Sollen Farbdrucke hergestellt werden, so druckt man mehrere Platten, die mit verschiedenen Farben eingefärbt werden, nacheinander.

Im 19. Jahrhundert begann man auch in Stahlplatten (Stahlstich) zu stechen, um eine größere Stückzahl zu ermöglichen. Später wurden die Kupferplatten auch verstählt.

Histoisches: Der Kupferstich ist die älteste Tiefdrucktechnik. Die Entstehung des Kupferstichs geht auf die seit dem Altertum bekannte Technik der Metallgravierung zurück. Die ältesten bekannten Kupferstiche sind aus dem 15.Jh. (ca. 1440). Dabei handelt es sich u.a. um Spielkarten vom sog. Spielkartenmeister, dessen Name nicht überliefert ist. Neben viele anderen Meistern des Kupferstichs sei hier Albercht Dürer besonders erwähnt. Er führte die Kunst des Kupferstichs zur höchsten, nie wieder erreichten, Vollendung.

Am Rande sei noch das Kupferstichkabinett erwähnt. Das Kupferstichkabinett bezeichnet den Ort, wo Sammlungen von Kupferstichen, Zeichnungen und anderen Druckgrafiken aufbewahrt werden. Z.B. in Museen und Bibliotheken.

Andere, dem Kupferstich ähnliche und auf dem Tiefdruck basierende, künstlerische (grafische) Druckverfahren sind die Radierung (Ätzradierung), Kaltnadelradierung, Schabtechnik (Schabkunst, auch Mezzotinto), Punktiermanier, Kreidemanier (Crayonmanier) und Aquatinta.